Woran erkenne ich einen guten Verlag?

Diese Frage ist eine der häufigsten, die in der Welt der Autoren gestellt wird. Ganz oft ist es eine der ersten, die ich gestellt bekomme, wenn ein Autor mich um Unterstützung bittet. Ich weiß nicht, wie andere Autoren bei ihrer Verlagssuche vorgehen, aber ich selbst habe eine Liste im Kopf, die ich durcharbeite. Auch ich habe irgendwann als Autor angefangen und auch ich habe herbe Enttäuschungen erleben müssen. Meine ersten beiden Verlage waren alles andere als Glückstreffer. Heute gehe ich bei der Verlagswahl nach meiner Liste vor:

  • Internetauftritt: Wie wirkt die Webseite auf mich als Besucher? Ist sie übersichtlich, professionell oder eher schnell hingezimmert im Eigenversuch? Eine schlechte Webseite wirkt immer unprofessionell, hinterlässt keinen guten Eindruck beim Leser, der Leser fühlt sich auf der Seite nicht wohl. Und wenn der Verlag sich nicht einmal eine ordentliche Seite leisten kann, wie dann Marketing, Lektorat etc. für die Bücher, die im Verlag erscheinen?
  • Cover: Cover verkaufen Bücher. Schlechte Cover verkaufen nichts. Sind die Cover genauso im Eigenversuch gebastelt worden, dann habe ich den Eindruck, dem Verlag liegt nicht viel am Buch. Oder es mangelt auch hier wieder am Geld.
  • Anzahl Veröffentlichungen: Hat der Verlag erst eine handvoll Bücher veröffentlicht? Es gibt Verleger, die mit Herzblut dabei sind, die sich im Vorfeld informieren. Jeder Verlag fängt klein an. Wenige Bücher im Programm sind noch kein schlechtes Zeichen, aber trotzdem sollte man in diesem Fall genau abwägen. Wenn der Verlag noch neu ist, weiß man nicht, ob er es schaffen wird, sich durchzusetzen. Ob der Verlag nicht nur aus einer Laune heraus entstanden ist und der Verleger nicht in den nächsten Monaten trotz aller Mühe das Handtuch werfen muss. Nur wenige Verlage schaffen es, sich zu etablieren. Bei einem noch jungen, sehr kleinen Verlag, schaut euch auf jeden Fall an, wie die Webseite aussieht, wie die Cover, wie das Engagement des Verlags.
  • Im Handel erhältlich? Einer der wichtigsten Punkte, und leider einer von dem ich als Neuautorin auch nichts wusste, weswegen viele neue Autoren viel zu spät mitbekommen, dass sie beim falschen Verlag unterschrieben haben: Bekommt man das Buch ausschließlich beim Verlag oder auf Amazon zu kaufen? Wenn das der Fall ist, Finger weg! Auf Amazon verkaufen könnt ihr auch als Selfpublisher. Dazu braucht ihr keinen Verlag. Ein guter Verlag verfügt über die Anbindung an die Barsortimenter, denn nur die schaffen es, ein Printbuch in die Shops der Buchhändler zu bekommen. Bei E-Books ist das deutlich einfacher. Zum Thema Barsotiment und den Weg in den Buchhandel habe ich hier schon einen ausführlichen Artikel geschrieben: http://romantasy-verlag.de/blog/?p=245 Bevor ihr in Erwägung zieht, bei einem Verlag zu unterschreiben, schaut euch also bei Thalia und Co um, ob die Bücher des Verlags dort in den Shops gelistet sind.
  • Lektorat und Korrektorat: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der Bücher. Schaut euch die Leseproben genau an. Findet ihr da schon Fehler, entspricht das Buch handwerklich wie sprachlich nicht dem, was ihr von einem Verlag erwartet, dann solltet ihr auch hier vorsichtig sein. Die Qualität eines Verlags färbt auf den Autor ab. Diese Erfahrung habe ich vor einigen Jahren mit einem Verlag machen dürfen, der zu Beginn noch jedes Buch hat lektorieren lassen und natürlich auch genau ausgewählt hat, was er unter Vertrag nimmt. Später hat der Verlag seine Firmenpolitik völlig umgestellt und alles unter Vertrag genommen, was ihm angeboten wurde. Und er hat auf Lektorat und Korrektorat verzichtet. Der Verlag hatte schnell einen schlechten Ruf und mit ihm jeder Autor, der dort unter Vertrag stand. Die Leser haben Bücher dieses Verlags gemieden, selbst bei Leserunden auf Portalen wie Lovelybooks, wo es die Bücher kostenlos gegeben hätte, haben Leser einen Bogen um diese Bücher gemacht.
  • Wenn ihr bezahlen sollt! Wohl einer der wichtigsten Punkte. Unter Autoren wird immer wieder gewarnt vor sogenannten Druckkostenzuschussverlagen (DKZV), trotzdem fangen diese Verlage nach wie vor unwissende Autoren ein. Ein seriöser Verlag verlangt niemals Geld vom Autor. Oder geht ihr eurer Arbeit nach und bezahlt euren Chef noch dafür, dass ihr bei ihm arbeiten dürft? Egal, was dieser Verlag euch erzählt, es gibt keinen seriösen Grund, warum ihr als Autor den Verlag bezahlen sollt. Finger weg und lieber weitersuchen! Das Geld, dass diese Verlage für eine Veröffentlichung verlangen, bekommt ihr als Autor in den seltensten Fällen wieder rein.

 

 

1 Kommentare

  1. Pingback: Marketing: Das Ding mit dem Marktwert | Teil 5 | Katharina Münz

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