Warum eine ISBN allein nicht der Weg in den Buchhandel ist

 

 

Immer wieder taucht unter Autoren eine Vermutung auf, die nicht richtig ist. Ich bin jetzt schon einige Jahre als Autorin unterwegs und in dieser Zeit habe ich viele Dinge lernen müssen. Zum Beispiel, dass eine ISBN noch kein Garant dafür ist, dass ein Buch in sämtlichen Buchhandlungen und Onlineshops erhältlich ist. Leider laufen immer wieder Autoren diesem Irrglauben auf. Erst kürzlich ist mir zugetragen worden, dass ePubli mit diesem Irrglauben arbeitet und ihn ausnutzt. Aus diesem Grund sehe ich mich gezwungen, diesen Artikel zu schreiben.

Eine ISBN ist sozusagen die ID eines Buches. Sie besteht aus 13 Zeichen, die ersten 3 Zahlen 978 oder 979 sind das Präfix. Danach folgt eine Einzelziffer. In Deutschland meist die 3, die gibt wieder, dass es sich um ein deutschsprachiges Buch handelt. Darauf folgen 5 Zahlen, die ergeben die Kennziffer für den Verlag. Darauf folgt die Titelziffer und dann die Prüfziffer.

Mit dieser ISBN kann man ein Buch bei VLB anmelden. Dem sogenannten Verzeichnis aller lieferbaren Bücher. Amazon z.B. holt sich in kurzen Abständen seine Infos über VLB. Jedes Buch, das bei VLB gelistet wurde, kann somit auch bei Amazon gefunden werden. Ob das Buch dann aber auch direkt über Amazon lieferbar ist oder nicht, kommt darauf an, ob der Verleger einen Vertrag mit Amazon hat. Viele kleine Verlage haben diesen Vertrag nicht und umgehen so die Zahlung von Rabatten an Amazon. ePubli hält das ähnlich. Ein von ePubli verlegtes Taschenbuch kann man nicht direkt über Amazon beziehen, sondern nur über den Amazon Marketplace, wo zusätzlich zum eigentlichen Taschenbuchpreis 3 € Versand fällig werden.

Amazon bezieht seine Infos also über VLB. Viele andere Buchhändler und Onlineshops tun dies nicht. Sie sind an Barsortimenter angeschlossen. Die drei größten Barsortimenter in Deutschland sind: KNV, Libri und Umbreit. Barsortimenter arbeiten eigentlich fast ausschließlich mit Verlagen zusammen. Um von ihnen gelistet zu werden, braucht das Buch nicht nur eine ISBN, der Verlag braucht auch einen Vertrag mit diesen Barsortimentern. Zusätzlich muss der Verlag bestimmte Bedingungen erfüllen, um überhaupt so einen Vertrag zu bekommen. Da könnte z.B. die Vorraussetzung sein, eine bestimmte Mindestmenge an Veröffentlichungen überhaupt oder aber auch jährlich.

Wenn jetzt ein Buch also z.B. nur bei KNV gelistet wurde, ist es in vielen Shops oder auch örtlichen Buchhandlungen bestellbar. Aber nicht in allen! Warum das so ist? Weil z.B. Weltbild in seinen Shops nur mit dem Barsortiment Libri zusammenarbeitet. Je nachdem, mit welchem der Barsortimenter ein Händler arbeitet, ist ein Buch für ihn verfügbar oder nicht. Kleinere Buchhändler schauen dabei auch mal nur bei VLB und bestellen auch mal direkt beim Verlag. Da das aber teilweise sehr aufwendig ist, machen das nur wenige. Wer also sicherstellen will, dass sein Buch überall erhältlich ist, sollte schauen, dass sein Buch möglichst in allen drei großen Sortimenten gelistet wird.

Die Bücher von ePubli haben zwar eine ISBN, sind aber nirgends gelistet, daher auch in den Shops nicht erhältlich. Was zum nächsten Problem führt: Woher soll ein Leser wissen, dass es das Taschenbuch gibt, wenn es weder bei Libri, noch bei Thalia noch sonst wo auf der Shopseite zu finden ist? Einzige Möglichkeit, der Autor selbst bewirbt sein Buch und gibt die ISBN weiter. Nur wird der interessierte Leser mit der ISBN nichts anfangen können, denn wie oben schon beschrieben, wenn er jetzt mit dieser ISBN zu z.B. Thalia geht und dort das Buch bestellen will, wird Thalia ihm sagen, dass die ISBN unbekannt ist, da Thalia ja mit der Software von Libri oder Umbreit oder KNV zusammenarbeitet, wo aber eben dieses Buch nicht gelistet ist.

Wie ihr seht, nutzt die schönste ISBN gar nichts.

Mein Tipp: Bevor ihr euch für einen Druckdienstleister, einen Kleinverlag oder eine andere Art der Vervielfältigung für euer Taschenbuch entscheidet, schaut nach, ob andere Bücher des Verlages/Anbieters über Seiten wie buch.de, thalia.de, weltbild.de etc. zu bekommen sind. Ist das nicht der Fall, habt ihr größere Verkaufschancen wenn ihr direkt über Create Space geht, da Amazon in dem Fall zumindest Taschenbuch und eBook miteinander verknüpft und das die Sichtbarkeit deutlich erhöht.

Jetzt noch ein paar weitere Tipps:

Viele Autoren warten darauf, dass der große Traumverlag bei ihnen anklopft. Die Chance, dass das passiert ist sehr gering. Die meisten dieser Autoren gehen davon aus, dass ein Vertrag mit einem großen Verlag automatisch bedeutet, dass ihre Bücher dann in den Regalen von Händlern liegen. Das stimmt nicht. Würden die Händler alle Bücher von allen Autoren von großen Verlagen auslegen, dann bräuchten sie ganze Hochhäuser. Es werden immer nur Bücher ausgelegt, die von den großen Verlagen stark beworben werden. Was viele nicht wissen, so Tische wie bei Thalia das „Buch des Monats“ kosten Geld. Dafür zahlen die großen Verlage bis zu 5stellige Summen. So viel Geld nehmen die Verlage nicht für jeden Autor in die Hand. Ein Vertrag mit einem Großen sichert euch also noch lange nicht den Weg in die Händlerregale. Hinzu kommt, dass die Großen nur selten nur das Taschenbuch unter Vertrag nehmen. Sie wollen dann gerne auch die Rechte für Auslandslizenzen, eBooks etc. Und das nicht nur für 5 Jahre, wie oft bei Kleinverlagen, sondern für die Zeit des Urheberrechts, was bedeutet: euer Leben lang bis 70 Jahre nach eurem Tod. Das wiederum bedeutet: So lange ihr lebt entscheidet nicht mehr ihr, was mit eurem Buch passiert, sondern der Verlag. Er kann das Buch veröffentlichen oder auch nicht, wenn es gerade eben doch nicht passt (alles schon vorgekommen, dass Verlage sich zum Zeitpunkt, wo ein Buch erscheinen sollte, dann doch dagegen entschieden haben, weil das Genre gerade nicht gefragt war). Oder sie bringen nur eine Auflage, die sich nicht zufriedenstellend verkauft und danach fassen sie das Buch nicht mehr an. Oder aber nach 20 Jahren wird der Titel noch mal ausgegraben, weil das Genre da gerade wieder läuft … Die Möglichkeiten sind da unendlich.

Auch bei einem großen Verlag sollte also genau abgewogen werden, ob man einen Vertrag eingehen möchte oder nicht. Hat man erstmal unterschrieben, sind die Rechte für immer weg und als Selfpublisher sind wir alle deutlich mehr Freiheit gewohnt, als es bei den Großen möglich ist.

1 Kommentare

  1. Pingback: Woran erkenne ich einen guten Verlag? – Elena MacKenzie

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