Schlagwort: Raubkopien

Ein schneller Weg in die Kriminalität

Ein eBook ist ein Buch.

Viele Nutzer von eBooks scheinen das zu übersehen. Sie glauben, dass ein eBook weniger wert ist als ein Buch, dass es aus unerfindlichen Gründen, gar kein Buch ist. Gleichzeitig denken sie aber, wenn sie ein Buch der besten Freundin, der Mutter, der Tante, dem ganzen Dorf ausleihen können, dann haben sie dazu auch das Recht mit einem eBook, schließlich hätten sie das eBook ja gekauft.

Es wird euch überraschen, ein eBook ist ein Buch! Bevor ein Buch überhaupt gedruckt werden kann, schreibt der Autor es auf seinem PC. Er schreibt es in einem Schreibprogramm wie Word, lässt es lektorieren, lässt ein Cover anfertigen und wandelt die Datei am Ende in eine eBook-Datei um. Zu diesem Zeitpunkt ist das Buch schon ein Buch. Der Autor hatte eine Idee, hat sich Gedanken zu dieser Idee gemacht, recherchiert, sich einen Plot einfallen lassen, Figuren entworfen, sich zu jeder einzelnen Szene Notizen gemacht und die Geschichte reifen lassen. Dann hat er sich tagelang, wochenlang oder sogar monatelang hingesetzt und das Buch in eben dieser Datei entstehen lassen.
Genau diese Datei wird dann kopiert und in eine neue Datei umgewandelt, die die meisten Indie-Autoren dann bei Create Space hochladen (ein Tochterunternehmen von Amazon). Create Space wiederum lädt diese Datei in das Programm einer Digitaldruckmaschine und diese Maschine druckt die Datei aus und macht ein Print-Buch daraus. Der Aufwand, das Buch zu schreiben ist also deutlich größer als der, das Buch zu drucken. Ohne diese Datei gäbe es den Print gar nicht. Warum also glaubt ihr, dass ein eBook weniger wert ist als sein Bruder Taschenbuch? In beiden Versionen stehen die selben Worte, steckt die selbe Arbeit eines Autors, der seine Zeit und sein Herz hineingesteckt hat.

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Solche Worte verletzen, schockieren und lassen uns sprachlos zurück. So geht man mit unserer Arbeit um? Das denkt man über die Zeit, die wir in Geschichten stecken, statt in unsere Familien? ”Eingetippte Wörter“ Was würde die Dame wohl davon halten, wenn wir ihr zukünftig wirklich nur noch „eingetippte Wörter“, zusammenhangloses Bla Bla servieren würden. Davon kann sie 400 Seiten haben, die jeder von uns in wenigen Minuten erstellt hat. (Danke an dieser Stelle für das Outing, unsere Anwälte werden sich damit befassen.)
Gedankengut ist natürlich eine Erfindung der Menschen. Aber keine überflüssige. Früher wurden Autoren wie Jane Austen, die Bronte-Schwestern, Hemmingway und Shakespeare noch als Künstler angesehen. Heute sind wir diejenigen, die nichts weiter tun als „eingetippte Wörter“ servieren. Eine traurige Entwicklung für eine Zeit- und Nervenintensive Arbeit. Aber davon lasse ich mich nicht abhalten, weiter Geschichte zu schreiben und zu hoffen, dass es noch Leser gibt, die den eigentlichen Wert hinter diesen Geschichten verstehen.

Diesen Wert hat auch der Gesetzgeber verstanden, weswegen es eine Straftat ist, eBooks zu kopieren. Auch das wird für viele neu sein: Man kann eBooks nicht verleihen. Ein eBook verleihen heißt, es zu kopieren. Außer man gibt seinen eBookreader an die Freundin weiter oder nutzt die Amazon/Kindle-interne Verleihfunktion. Bei dieser Funktion kann man einer Person sein eBook leihen. Für die Leihzeit verschwindet das eBook auf dem eigenen Reader, so wie es auch bei einem verliehenen Taschenbuch der Fall wäre, das man dann ja auch nicht mehr im eigenen Regal stehen hätte.

Der Kauf eines eBooks ermächtigt nicht zum Vervielfältigen! Ein eBook-Käufer erwirbt nur die Leselizenz.
Wie meine Kollegin Laura Sommer kürzlich sagte: Wenn ich Word oder Windows oder Photoshop kaufe, dann auch nur für einen, maximal 5 PC (ja nach Lizenzbestimmung). Ihr könnt diese Programme auch nicht einfach mal wild kopieren und untereinander austauschen. Und niemand beschwert sich darüber. Warum dann bei eBooks, die nur einen Bruchteil von dem kosten, was z.B. Windows kostet?

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Stellt euch die Kettenreaktion vor, die ein einziges eBook auslöst. Ihr kopiert es für die Tante, die Tante für den Bridgeclub, der Bridgeclub …

Am Ende stehen 10.000 eBook-Kopien, die nicht bezahlt wurden, liegen wie im aktuellen Fall in irgendwelchen Dropboxen und werden von tausenden Lesern heruntergeladen und weiterverbreitet. Und was ist mit dem Autor? Wo bleibt er bei diesem Spiel? Er sitzt Zuhause am PC und schreibt für euch die nächste Geschichte, auf die ihr schon mit großer Ungeduld wartet, weil er doch euer Lieblingsautor ist. Die Sache hat nur einen Haken, wenn euer Lieblingsautor kein Geld mehr verdient, weil immer mehr seiner Leser seine Bücher stehlen, dann wird er bald in einen fest Bezahlten Job gehen müssen und kann euch nicht mehr mit Geschichten versorgen, weil es nun einmal Zeit beansprucht, ein Buch zu schreiben. Zeit, die er in einem festen Arbeitsverhältnis nicht mehr haben wird.

Das Urheberrecht ist also keine sinnlose Erfindung, sondern eine, die den Urheber – den Autor – schützt. Davor, dass er bestohlen wird, dass andere behaupte, dieses Werk hätten sie selbst geschrieben, davor, dass andere sich an seiner Arbeit bereichern.

Deswegen ist es richtig und unumgänglich, das Raubkopierer bestraft werden. Hart!
Und überall auf der Welt wird diese Strafe jetzt durchgesetzt, auch bei eBook-Piraterie.

Es ist also nicht okay, wenn ihr eure eBooks per Dropbox oder auf anderem Weg austauscht. Ihr verleiht sie nicht, ihr vervielfältigt sie. Wenn ihr ein Taschenbuch an 5 Freunde verliehen habt, dann hat dieses sich abgenutzt, sieht nicht mehr so schön neu aus. Ein eBook nutzt sich nicht ab. Es bleibt immer gleich.

Der Schaden, der uns Autoren durch das Verteilen unserer Werke enttsteht ist nicht geringfügig. Die Verkaufszahlen von einigen belegen das. Das war in den letzten Monaten deutlich messbar, besonders durch ausbleibende Käufe an den ersten Tagen nach Erscheinen eines Buches. Noch vor wenigen Monaten lagen die Käufe durch unsere Facbook-Freunde an den ersten Tagen um einiges höher als es jetzt der Fall ist. Kein Wunder, immerhin war Pretty Lies – Holly und Tyler schon an Tag 2 nach Erscheinen in diesen Tauschbörsen.

Ich war darüber ziemlich enttäuscht, immerhin habe ich gerade in dieses Buch sehr viel Hineininvestiert. Ich rede jetzt nicht vom Finanziellen, sondern emotionalen. Das Thema dieses Buches war hart und schwierig und hat mich oft an meine Grenzen gebracht. Vielleicht sind es für einige nur ”getippte Wörter“. Für mich stecken in beiden Pretty-Büchern persönliche Erinnerungen und Schmerz.

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Zusammenfassend:

Die Vervielfältigung von eBooks ist eine Straftat und wird mit Geld- und Haftstrafen geahndet.

EBooks kann man nicht verleihen, weil sie kein physikalisches Produkt sind. Sie sind eine Software wie Windows und diese kann man bekanntlich auch nicht verleihen.

EBooks unterliegen dem Urheberrecht, weil sie mehr als nur „getippte Worte“ sind. Sie sind Arbeit, Herzblut, Zeit und nicht jeder kann Bücher schreiben. Das Schreiben ist ein langwieriger Prozess, der erlernt werden muss/sollte.

Irgendwann fliegt auch die unscheinbarste Tauschgruppe auf. Selbst die Großen sind davor nicht sicher, wie die letzten Wochen gezeigt haben.

Der Diebstahl eines eBooks wird also genauso bestraft wie der Diebstahl eines Brötchens, weil es eine Straftat ist.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen: Wir Indies kommen euch Lesern mit besonders niedrigen Preisen entgegen. Um diese Preise halten zu können, müsst ihr uns entgegen kommen: Bezahlt für unsere Geschichten!