château du Lochness

Eine Geschichte für Kinder, die ich vor längerer Zeit einmal geschrieben habe.

 

 

 

Verborgen hinter großen Bergen, die bis in den Himmel reichen, weit entfernt von den Städten der Menschen mit ihren Autos und Fabriken, lag ein kleines Königreich.

In diesem Reich lebten die Nobbels, nicht größer als eine Kinderhand, aber so schön wie ein Schmetterling. Denn die Nobbels hatten Flügel, die im Licht der Sonne in den Farben eines Regenbogens funkelten.

Die Nobbels wurden nicht geboren wie Menschenkinder, sondern sie wuchsen in den Blüten der seltensten Blumen der Welt. Diese Blumen waren so selten, dass noch kein Mensch sie gesehen hatte. So selten wie die Nobbels.

Die Nobbels hatten einen König. Und dieser König hatte eine Tochter, die Prinzessin Lana. Wie alle Nobbels hatte auch Lana eine besondere Gabe, mit der sie den Pflanzen und Tieren helfen konnte. Lana konnte Tiere heilen. Wenn ein Tier im Land der Nobbels krank wurde, dann wurde die Prinzessin informiert und sie eilte schnell los, um dem Tier zu helfen. Auch heute hatte Lana einen solchen Ruf empfangen und sich gleich auf den Weg gemacht.

Sie flog über die Blumenwiese, auf der schon die nächsten Nobbels-Kinder heranwuchsen, weiter über den See, in dem die Regenbogenfische lebten und hinein in den Wald aus dem der Hilferuf gekommen war. Im Wald lauschte sie, um zu hören, wo das Tier, das ihre Hilfe brauchte, sich genau befand. Der Wald war groß und die hohen Bäume verdeckten die Sonne, so dass es unheimlich dunkel war. Lana kam nie gerne in den Wald, aber, wenn jemand nach ihr rief, dann überwandt sie ihre Angst, denn ihr Vater, der König hatte ihr beigebracht, dass anderen zu helfen, immer wichtiger war, als die eigene Furcht.

Lana schloss also die Augen und dachte nicht mehr daran, wie unheimlich ihr der finstere Wald war. Und da hörte sie es, das leise Wimmern von jemandem, der Hilfe brauchte. Lana wusste vorher nie, was sie erwarten würde. Manchmal war jemand krank, oder auch verletzt. Manchmal war es ein Reh, ein Hase oder aber auch ein Nobbel. Aber hier draußen im Wald handelte sich es meistens um ein Tier.

Lana schlug mit ihren Flügeln und flog langsam dem Wimmern entgegen. Sie hatte schon fast die andere Seite des Waldes erreicht, als das Wimmern lauter wurde. Durch die dicken Stämme der Bäume konnte sie schon das Sonnenlicht scheinen sehen. Und da, am Rand des Nobbels-Waldes lag es. Ein kleines braunes Fellbündel. Lana landete vorsichtig vor dem Hasenkind, das zitternd unter einem Himbeerstrauch lag. Sie betrachtete ihren kleinen Patienten kurz, flog einmal um ihn herum und als sie keine sichtbaren Verletzungen entdecken konnte, legte sie ihm vorsichtig eine kleine Hand zwischen die langen Hasenohren und lauschte in das Tierkind hinein. Nach einer kurzen Weile nahm die Prinzessin die Hand wieder vom Kopf des Hasen und seufzte. „Du hast also deine Mama verloren? Armes kleines Ding. Was machen wir da nur?“ Lana lief nervös vor dem Hasenkind auf und ab und grübelte darüber nach, wie sie dem kleinen Langohr helfen sollte. Dann fiel ihr die Lösung ein. Sie konnte doch Milo fragen, den Schreiber des Nobbels-Reiches. Milo führte über alles und jeden Buch. Er zählte die Tiere des Waldes, zählte die Nobbels und wusste wo jeder wohnte. Vielleicht wusste er auch, wo die Mama des kleinen Hasen wohnte.

Nur wie sollte Lana Milo erreichen, ohne dass sie den Hasen allein hier zurück lassen musste. Die Nobbels konnten zwar die Gedanken und Gefühle der Tiere lesen, aber die der anderen Nobbels nicht. Wieder stand die Prinzessin vor einem Problem. Sie lief auf und ab, das Gesicht in eine ihrer Hände gestützt, die Stirn gerunzelt und ihr fiel nichts ein. Sie lief hin und her. Und ihr wollte noch immer keine Lösung einfallen. Sie flog hoch und runter und wäre fast mit der Eule Lulu zusammengestoßen, die verwundert näher gekommen war, weil sie wissen wollte, warum die Prinzessin hier am Waldrand herumlief wie ein aufgescheuchtes Huhn.

„Lulu, du hast mich aber erschreckt“, schimpfte die Prinzessin. „Schleicht man sich so an andere Leute an?“

Lulu rollte mit den Augen und setzte sich neben Lana auf den Waldboden. GRRRRR GRRRR machte die Eule und zeigte mit ihrem Schnabel auf das Hasenkind.

Lana nickte. „Es hat seine Mama verloren.“

GRRRR GRRRRRR machte Lulu wieder.

„Ich weiß“, sagte Lana. Aber nur Milo kann uns helfen, sie zu finden. Ich kann das Kind aber doch nicht alleine hier zurücklassen.“

Lulu tappelte mit ihren Füßen auf der Stelle, scharrte mit ihren Krallen im Waldboden und stupste die Prinzessin dann an.

Lana stolperte rückwärts, fiel auf ihren Po und warf der weißen Eule einen grimmigen Blick zu. „Was soll das Lulu? Ich kann jetzt nicht mit dir spielen.“

GRRRRR GRRRRR machte die Eule wieder und kam näher an Lana heran und neigte ihren Kopf der Prinzessin entgegen. Die Prinzessin verstand. Sie legte ihre Hand auf die weichen Federn der Eule und lauschte dem, was das Tier dachte. „Oh, warum bin ich nicht gleich darauf gekommen. Wie dumm von mir. Natürlich hast du recht“, rief Lana glücklich. Sie musste Milo gar nicht erst her holen. Sie konnte Lulu mit einer Nachricht schicken.

Es dauerte auch nicht lang, da kam Lulu zurück. Und hinter ihr hoppelte eine schrecklich aufgeregte Hasenmama aus dem Wald, gefolgt von einem freudig winkenden Milo.

Die Hasenmama lief zu ihrem Kind, schnüffelte an ihm und stupste mit ihrer Nase gegen die Nase des Ausreißers. Lana freute sich, als sie sah, dass der kleine Hase sich an seine Mama schmiegte. Gut, dass die Nobbels immer für alle Tiere im Land da waren. Und gut, dass Milo so genau aufschrieb, wer wo wohnte und welches Tier wie viele Babys bekommen hatte. Nur so konnten die Nobbels dem Hasenkind so schnell helfen.

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