Kategorie: Aktuelles

Umfrage zum Leseverhalten

Ich habe kürzlich eine Umfrage zum Leseverhalten gemacht. Bevor ich zu den Ergebnissen komme, möchte ich auf meine Gründe zur Umfrage eingehen.

Viele von euch haben schon mitbekommen, dass ich kein Freund von 99-Cent-Büchern bin. Für die meisten meiner Bücher nehme ich zu Beginn 2,99€, später 3,99€ oder 4,99€. Selbst ein Preis von 2,99€ für ein Buch ist meiner Meinung nach eigentlich noch viel zu wenig. Ein Buch sollte einen bestimmten Wert haben, weil es zum einen das Werk eines Künstlers ist. Autoren von Büchern sind genauso Künstler wie Maler, Modedesigner, Lyriker und viele andere. In Ländern wie Frankreich wird das Werk eines Autors auch noch mit genau diesen Augen betrachtet. In Deutschland nicht mehr. Hier gibt es die Bücher, die der Feuilleton bejubelt und Mainstream. Mainstream wird in Deutschland gern nicht ernst genommen, obwohl genau diese Bücher es sind, die vom Leser konsumiert werden. Diese Spaltung zwischen beidem gibt es schon eine sehr lange Zeit und ich habe mich immer darüber geärgert, weil ich als Autor von Thrillern, Jugendbüchern oder eben auch Liebesromanen genauso viel Liebe in mein Werk stecke, wie ein Autor von „hoher Literatur“.

Beängstigend finde ich die jüngste Entwicklung. Fast jedes neue Buch startet mit 99 Cent! Weder für uns Autoren noch für die Leser ist das gut! Früher hat der Leser sich darüber gefreut, wenn ein Buch mal 99 Cent gekostet hat. Heute haben wir 99 Cent zum Normalpreis für ein Buch gemacht. An diesem Wertverfall ist nicht der Leser schuld, sondern der Autor. Wir haben unsere Leser darauf „abgerichtet“ zu glauben, ein Buch, das mehr als 99 Cent kostet, ist teuer. Heute sind 99 Cent kein Sonderangebot mehr!

Der Kindleshop ist zum 99-Cent-Laden geworden. Wir alle gehen gern in diese Läden, wo es sämtlichen Kram für unter einen Euro gibt. Wir kaufen dort billigen Plunder, den wir im Schrank liegen haben, bis wir ihn irgendwann wegwerfen, weil er in unseren Augen nichts wert ist. Die Wirtschaft hat uns ein ganz bestimmtes Verhalten angelernt, nämlich, dass wir billige Produkte kaum wertschätzen. Das passiert auch den E-Books.

Wie wollen wir verlangen, dass der Leser unsere Bücher wertschätzt, sie nicht über die Piraten holt, untereinander teilt und auf einigen anderen Wegen, die sich gerade über Facebook wie ein Lauffeuer verteilen, besorgt, wenn wir selbst als Autoren ihm doch klarmachen, dass ein E-Book nichts weiter als ein Wegwerfprodukt ist? Etwas, das ich im 1-Euro-Laden mal schnell mitnehme und dann in den Schrank stecke, bis ich zufällig mal wieder darüber stolpere und es dann entsorge.

Ein wichtiger Punkt meiner Umfrage war, ob der Leser bereit ist, mehr als nur 99 Cent für ein E-Book zu bezahlen. Die Umfrage war anonym, es hat also jeder ehrlich antworten können. Liebe Autoren, es wird euch überraschen, er ist. Und wenn ihr denn den Mut dazu habt, aus der Billigecke zu kommen, euch und euren Büchern, euren Lesern vertraut, dann könnte 2,99€ oder 3,99€ das neue 99Cent werden.

Eine liebe Kollegin von mir hat es auf den Punkt gebracht: Wenn jeder mit 99 Cent startet, dann bleibt die so viel gepriesene Sichtbarkeit der 99 Cent-Titel auf der Strecke.

Ein höherer Preis wird nicht verhindern, dass es noch immer Leser gibt, die sich über Piratenportale und andere Wege unsere Bücher beschaffen. Aber eine höhere Wertschätzung wird zumindest einige Leser zum Umdenken bewegen.

Ein Angebot sollte ein Angebot bleiben und nicht zum Normalpreis werden.

Zu den Umfrageergebnissen geht es hier:

https://www.umfrageonline.com/results/bf550dc-bfcaef0

Figuren und wie sie sein sollten – oder auch nicht

Kürzlich bin ich auf eine Rezension gestoßen, die mich an viele andere Rezensionen erinnert hat, die in etwa das Gleiche wiedergegeben haben. Und jedes Mal, wenn ich über eine solche Rezension stolpere, mache ich mir dazu meine Gedanken. Dieses Mal habe ich darüber mit einer befreundeten Kollegin gesprochen und festgestellt, dass sie die gleichen Gedanken dazu hatte. Deswegen möchte ich meine Gedanken dazu jetzt einfach mal aufschreiben. Vielleicht führt es ja dazu, dass auch ihr euch Gedanken darüber macht. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreibt, wie ihr zu dem Thema steht.

Ganz oft liest man in Rezensionen, dass der Leser keinen Zugang zu den Figuren gefunden hätte, weil sie diesen oder jenen Fehler hatten und er bewertet die Geschichte deswegen schlechter. Aber warum sollte man eine Geschichte/ein Buch schlechter bewerten, nur weil eine Figur einem nicht sympathisch ist?

Jedes Mal, wenn ich lese, dass ein Buch deswegen schlechter bewertet wird, versuche ich das zu verstehen.

Als Autorin bin ich bemüht, eine Figur facettenreich zu gestalten. Und möglichst nah am Leben. Je besser mir das gelingt, desto reicher ist die Story. Aber um eine Figur wirklich zum Leben zu erwecken, muss sie auch Fehler haben. Selbst wenn der Leser diese Fehler vielleicht störend finden könnte, es ist das, was die Figur von anderen unterscheidet. Was sie ausmacht, was ihre Entscheidungen begründet. Und mal Hand aufs Herz, niemand von uns ist aalglatt und perfekt und immer brav. Wir haben alle unsere verschiedenen Fehler, unschönen Ticks und Eigenschaften, die unserem Umfeld vielleicht nicht gefallen. Liegt es daran, dass mancher Leser sich von mancher Figur abschrecken lässt, weil er sich unangenehm an seine eigenen Unzulänglichkeiten erinnert fühlt? Dann bitte keine Angst, jeder von uns ist unvollkommen. Erst das macht uns für andere interessant. Wer möchte schon von perfekten, langweiligen Menschen umgeben sein? Wenn ihr das wollt, sucht euch einen Roboter.

Warum also sollte eine Figur in einem Buch dann perfekt sein? Macht sie das nicht langweilig, vorhersehbar und unglaubwürdig? Wie kann das immer freundliche, höfliche, perfekte, völlig fehlerlose Mädchen eine Geschichte gestalten, die den Leser fesselt? Ihre Ecken und Kanten machen die Geschichte doch erst zu etwas Besonderem. Ist es nicht interessant herauszufinden, wie ein Mädchen, das immer alles hatte, das schon seit ihrer Kindheit ein festes Ziel vor Augen hat, plötzlich damit konfrontiert wird, dass ihre Ziele unerreichbar sind? Und wenn sie damit konfrontiert wird, darf sie dann nicht wütend, zickig, stoisch darauf reagieren? Soll sie nicht aus sich rausbrechen und sich wehren? Dieses Rausbrechen ist es doch, was die Geschichte bunt macht. Mitzuerleben, wie sich dieses Mädchen weiterentwickelt, wie sie lernt, ihre Situation zu meistern. Und ja, wie sie auch auf diesem Weg Fehler begeht. Fehler, die den Leser vielleicht wütend machen, mit dem Kopf schütteln lassen. Aber genau das ist es, was dieses Mädchen glaubhaft macht. Weil Menschen eben so sind! Und wäre es nicht noch besser, wenn sie einen Makel hätte? Etwas wie niemanden ausreden zu lassen, ständig das Ruder an sich zu reißen, oder sich strickt zu weigern, sich etwas sagen zu lassen? Zu glauben, dass sie immer Recht hat, selbst, wenn der Leser weiß, dass sie im Unrecht ist. Ja, vielleicht nervt sie den Leser manchmal, aber warum sollte sie das nicht tun? Ein Buch lesen, bedeutet auch, die Geschichte zu fühlen. Sich über sie zu ärgern, zu freuen, machmal auch wütend zu sein. Vielleicht überrascht euch das Mädchen dann ein paar Seiten später, weil etwas oder jemand sie dazu bringt, sich selbst und ihr Handeln zu überdenken. Figuren sollen sich entwickeln. Eins der ersten Dinge, die man in Schreibkursen lernt. Wie also sollen sie sich entwickeln, wenn sie doch schon auf Seite 1 nur perfekte Eigenschaften mitbringen, damit sie auch dem unentschlossensten Leser sofort sympathisch sind?

Die wunderbarsten Figuren der Literatur waren fehlerhaft, manchmal erschreckend, beängstigend. Wir haben sie gehasst und geliebt. Wir lieben sie noch heute, weil sie sind, wie sie sind. Da wäre Heathcliff aus Sturmhöhe oder Darcy aus Stolz und Vorurteil. Ja, sogar Scarlett O’Hara, die einen so eigensinnigen Kopf hat, dass man sie manchmal schütteln muss. Trotzdem ist sie eine der bewundernswertesten, stärksten Heldinnen, die ich kenne. Würde wirklich jemand behaupten, dass diese Bücher schlecht sind, weil ihre Figuren manchmal Eigenschaften haben, die wir an einem Menschen nicht mögen? Diese Eigenschaften machen diese Bücher erst zu dem, was sie sind!

Deswegen: Figuren sollen gar nicht perfekt sein, damit der Leser sie bedingungslos lieben und sympathisch finden kann. Das macht sie langweilig, uninteressant. Was ist schon eine gute Handlung, wenn einem die Heldin zum Gähnen bringt? Für mich sind es die Figuren, die ein Buch erst lebendig machen. Figuren sollen einen Charakter haben, der sie ausmacht. Fehler, große und kleine. Sie dürfen auch mal Dinge tun, die der Leser nie tun würde. Ist es nicht wunderbar, herauszufinden, wie sie sich da wieder herauswinden? Selbst der böse Part in einem Buch, muss nicht einfach nur böse sein. Vielleicht ist er vielmehr grau. Vielleicht können wir ihn am Ende sogar verstehen, weil wir auch in ihm ein Stück von uns wiederfinden. Selbst wenn wir nie zugeben würden, dass dieses Stück in uns steckt.

Lasst Figuren vielfältig und fehlerhaft sein. Lasst sie zickig sein, wütend, aggressiv und zornig. Und vor allem, lasst nicht nur die männlichen Figuren so sein. Auch Frauen haben ein Recht auf Wut und Zickigkeit, Aggression, Hass und ja, auch darauf sich auf die Unterlippe zu beißen.

Unsympathische Figuren sind kein Grund ein Buch schlechter zu bewerten. Figuren, die ihrem Charakter entsprechend unlogisch handeln sind es schon. Aber dazu müssen sie erstmal einen Charakter haben.  😉

Ein Stück Schottland

Kürzlich wurde mir auf Facebook die Werbung für eine ganz besondere Seite eingeblendet. Als großer Schottlandfan habe ich mich auf der Seite aufmerksam umgesehen. Leider wird auf der Seite nur sehr knapp beschrieben, was für großartige Dinge die Menschen dahinter tun, weswegen ich mich zu diesem Artikel entschlossen habe.

Highland Titles, das ist der Name der Webseite (Highland Titles) und leider konzentriert sich die Seite auch stark auf die Vergabe dieser Highland Titel und gibt nur wenige Infos zum eigentlichen Zweck des Verkaufs von kleinen Parzellen schottischen Lands. Auf der Webseite selbst steht im Vordergrund, dass diejenigen, die ein Stück schottisches Land kaufen, zukünftig den Titel Lord, Laird oder Lady nutzen dürfen. Diese Titelvergabe beruht auf einem alten schottischen Gesetz, wonach jemand, der ein Stück Land besitzt ein Lord, Laird oder eine Lady ist. Das Prinzip kennen wahrscheinlich schon einige von Ebay, wo es solche Titel zu Hauf zu kaufen gibt.

Bei Highland Titles hat dieser Verkauf aber einen sehr wichtigen Hintergrund: den Schutz der schottischen Natur. Highland Titles besitzt Land in Glencoe und Lochaber. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die wilde schottische Natur dort zu erhalten, indem sie kleine Parzellen Land verkaufen. Das verkaufte Land bleibt unter der Schirmherrschaft von Highland Titles, die sich darum kümmern, es aufforsten und pflegen, sich um die Tier- und Pflanzenwelt bemühen. Je mehr dieser kleinen Parzellen an verschiedene Eigentümer verkauft werden, desto schwieriger gestaltet sich eine eventuelle Erschließung dieses Gebiets.

Highland Titles hat eine interessante Facebook-Seite. Auf dieser Seite kann man gut verfolgen, wie bemüht die Menschen hinter der Organisation sind. Es gibt nicht nur gemeinsame Projekte mit Schulen, sondern auch unzählige Webcams mit denen man die Tierwelt beobachten kann. Wer sich die beeindruckenden Bilder und Videos einmal ansehen möchte, findet die Facebook-Seite hier: Highland Titles Facebook

Mich hat dieses Projekt überzeugt, weswegen ich ein Stück Land und auch einen Baum gekauft habe. Ganz bestimmt werde ich auch in Zukunft Highland Titles weiter unterstützen.

 

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Woran erkenne ich einen guten Verlag?

Diese Frage ist eine der häufigsten, die in der Welt der Autoren gestellt wird. Ganz oft ist es eine der ersten, die ich gestellt bekomme, wenn ein Autor mich um Unterstützung bittet. Ich weiß nicht, wie andere Autoren bei ihrer Verlagssuche vorgehen, aber ich selbst habe eine Liste im Kopf, die ich durcharbeite. Auch ich habe irgendwann als Autor angefangen und auch ich habe herbe Enttäuschungen erleben müssen. Meine ersten beiden Verlage waren alles andere als Glückstreffer. Heute gehe ich bei der Verlagswahl nach meiner Liste vor:

  • Internetauftritt: Wie wirkt die Webseite auf mich als Besucher? Ist sie übersichtlich, professionell oder eher schnell hingezimmert im Eigenversuch? Eine schlechte Webseite wirkt immer unprofessionell, hinterlässt keinen guten Eindruck beim Leser, der Leser fühlt sich auf der Seite nicht wohl. Und wenn der Verlag sich nicht einmal eine ordentliche Seite leisten kann, wie dann Marketing, Lektorat etc. für die Bücher, die im Verlag erscheinen?
  • Cover: Cover verkaufen Bücher. Schlechte Cover verkaufen nichts. Sind die Cover genauso im Eigenversuch gebastelt worden, dann habe ich den Eindruck, dem Verlag liegt nicht viel am Buch. Oder es mangelt auch hier wieder am Geld.
  • Anzahl Veröffentlichungen: Hat der Verlag erst eine handvoll Bücher veröffentlicht? Es gibt Verleger, die mit Herzblut dabei sind, die sich im Vorfeld informieren. Jeder Verlag fängt klein an. Wenige Bücher im Programm sind noch kein schlechtes Zeichen, aber trotzdem sollte man in diesem Fall genau abwägen. Wenn der Verlag noch neu ist, weiß man nicht, ob er es schaffen wird, sich durchzusetzen. Ob der Verlag nicht nur aus einer Laune heraus entstanden ist und der Verleger nicht in den nächsten Monaten trotz aller Mühe das Handtuch werfen muss. Nur wenige Verlage schaffen es, sich zu etablieren. Bei einem noch jungen, sehr kleinen Verlag, schaut euch auf jeden Fall an, wie die Webseite aussieht, wie die Cover, wie das Engagement des Verlags.
  • Im Handel erhältlich? Einer der wichtigsten Punkte, und leider einer von dem ich als Neuautorin auch nichts wusste, weswegen viele neue Autoren viel zu spät mitbekommen, dass sie beim falschen Verlag unterschrieben haben: Bekommt man das Buch ausschließlich beim Verlag oder auf Amazon zu kaufen? Wenn das der Fall ist, Finger weg! Auf Amazon verkaufen könnt ihr auch als Selfpublisher. Dazu braucht ihr keinen Verlag. Ein guter Verlag verfügt über die Anbindung an die Barsortimenter, denn nur die schaffen es, ein Printbuch in die Shops der Buchhändler zu bekommen. Bei E-Books ist das deutlich einfacher. Zum Thema Barsotiment und den Weg in den Buchhandel habe ich hier schon einen ausführlichen Artikel geschrieben: http://romantasy-verlag.de/blog/?p=245 Bevor ihr in Erwägung zieht, bei einem Verlag zu unterschreiben, schaut euch also bei Thalia und Co um, ob die Bücher des Verlags dort in den Shops gelistet sind.
  • Lektorat und Korrektorat: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der Bücher. Schaut euch die Leseproben genau an. Findet ihr da schon Fehler, entspricht das Buch handwerklich wie sprachlich nicht dem, was ihr von einem Verlag erwartet, dann solltet ihr auch hier vorsichtig sein. Die Qualität eines Verlags färbt auf den Autor ab. Diese Erfahrung habe ich vor einigen Jahren mit einem Verlag machen dürfen, der zu Beginn noch jedes Buch hat lektorieren lassen und natürlich auch genau ausgewählt hat, was er unter Vertrag nimmt. Später hat der Verlag seine Firmenpolitik völlig umgestellt und alles unter Vertrag genommen, was ihm angeboten wurde. Und er hat auf Lektorat und Korrektorat verzichtet. Der Verlag hatte schnell einen schlechten Ruf und mit ihm jeder Autor, der dort unter Vertrag stand. Die Leser haben Bücher dieses Verlags gemieden, selbst bei Leserunden auf Portalen wie Lovelybooks, wo es die Bücher kostenlos gegeben hätte, haben Leser einen Bogen um diese Bücher gemacht.
  • Wenn ihr bezahlen sollt! Wohl einer der wichtigsten Punkte. Unter Autoren wird immer wieder gewarnt vor sogenannten Druckkostenzuschussverlagen (DKZV), trotzdem fangen diese Verlage nach wie vor unwissende Autoren ein. Ein seriöser Verlag verlangt niemals Geld vom Autor. Oder geht ihr eurer Arbeit nach und bezahlt euren Chef noch dafür, dass ihr bei ihm arbeiten dürft? Egal, was dieser Verlag euch erzählt, es gibt keinen seriösen Grund, warum ihr als Autor den Verlag bezahlen sollt. Finger weg und lieber weitersuchen! Das Geld, dass diese Verlage für eine Veröffentlichung verlangen, bekommt ihr als Autor in den seltensten Fällen wieder rein.

 

 

Outlaw – Neue Reihe ab 2016

Der letzte Beitrag in diesem Jahr wird zugleich eine Ankündigung für das neue Jahr.

Einige von euch haben sich schon gewundert, weil ein paar meiner Bücher nicht mehr erhältlich sind. Die Pretty-Reihe hat nun ein neues Zuhause bei einem namhaften Verlag gefunden. Neben den ersten beiden Teilen, wird auch der dritte Teil im neuen Verlag erscheinen. Dieser Verlag hat auch Desire Night Express unter Vertrag genommen.

Die Secrets-Reihe wird nach ihrem 4. Band (erscheint 2016) beendet sein. Sie macht Platz für eine Reihe, die sich sehr viele von euch von mir gewünscht haben. Ursprünglich waren nur die beiden Hopeless-Bände aus dem Destiny geplant. Ich habe in den letzten Monaten aber immer wieder Mails bekommen, in denen sich Leser weitere Bücher aus dem Destiny gewünscht haben. Auf Facebook habe ich die nächsten Bände schon angekündigt, in denen geht es um Allison, die auf einen waschechten Prinzen trifft. Geplant sind 3 Bände mit den Titeln: Vollkommen, Entbrannt, Unvergessen.

 

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Eine Serie, die ich ursprünglich unter anderem Pseudonym veröffentlichen wollte, da sich ihr Schauplatz nicht in Schottland befindet, rückt für die Pretty-Reihe nach. Die ersten Figuren dieser Reihe tauchen schon in „Verliebt in einen Bad Boy“ auf. Die Webseite zu dieser Serie ist jetzt schon seit Mai 2015 online, weil ich einige Zeit mit mir gerungen habe, da noch andere Autoren ähnliche Reihen laufen haben. Aber je länger ich in den letzten Monaten am Bad Boy gearbeitet habe, desto mehr habe ich mich in die Figuren dieser neuen Reihe verliebt. Die neue Reihe wird den Serientitel Outlaw haben und in Tolosa, in Spanien spielen. In dieser Reihe werdet ihr Elemente wiederfinden, die einige von euch aus der Serie Sons of Anarchie kennen, weil diese TV-Serie mich zu den Helldogs animiert hat. Wer von uns liebt Charlie Hunnam nicht? Dass die Sons of Anarchie hier Modell gestanden haben, werdet ihr sicherlich auch an den Covern erkennen.

 

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Wer neugierig geworden ist, der findet alle Infos zu den Helldogs hier: www.helldogs-outlaw.com

 

 

 

Erster Blick in Hopeless

Ich denke, es wird Zeit für einen ersten Blick in Hopeless, das sich ganz anders entwickelt, als ich es ursprünglich geplant hatte. Es überrascht mich sogar selbst.

Hier für Euch das erste Kapitel zur Einstimmung.
Erscheinen wird das Buch Mitte Juli.

In jeder Hand den Griff eines Trollis stehe ich vor der gregorianischen Villa in einem ruhig gelegenen Außenbezirk Glasgows. Das Haus verfügt über nur zwei Etagen, ist dafür aber sehr lang. Der Garten ist noch genauso gepflegt wie ich ihn in Erinnerung habe. Und auch der nackte Knabe steht noch immer an der gleichen Stelle, in den knubbeligen Fingern einen gespannten Bogen, dessen Pfeil auf den blauen Sommerhimmel gerichtet ist. Von Außen wirkt das Haus mit seinen hohen Rundbogenfenstern wie das ganz normale Zuhause einer wohlhabenden Familie. Keiner würde je darauf kommen, was sich hinter diesen unscheinbaren Mauern tagtäglich abspielt.
Langsam gehe ich die breite Auffahrt entlang, die den Vorgarten, der viel eher ein Park ist, in zwei Hälften teilt. Die letzten vier Jahre habe ich in London verbracht, um englische Literatur zu studieren. In dieser Zeit war ich nicht ein einziges Mal hier. Nicht, weil ich es nicht wollte, sondern, weil meine Mutter es nicht wollte. Jetzt ist mein Studium zu Ende und ich komme mit gemischten Gefühlen zurück nach Hause. Ich freue mich auf die Mädchen. Ich habe sie schrecklich vermisst. Sie sind meine Freundinnen, die einzigen, die ich je hatte. Aber ich habe jetzt auch einige Zeit außerhalb dieser Mauern gelebt und die richtige Welt kennengelernt. Das heißt nicht, dass mir die richtige Welt besser gefällt. Sie ist eben richtiger.
Ich drücke die Klingel und warte. Jemand kichert innen. Mein Herz klopft vor Aufregung. In diesem Haus wird oft gelacht. Alle sind immer glücklich hier. Dafür sorgt meine Mutter. Die Tür geht auf und Ivy steht vor mir. Sie trägt nur ihre Arbeitskluft: ein rosa Babydoll mit dunkelroter Spitze, das sehr gut zu ihren blonden Haaren und den dunkelgrünen Augen passt. Sie sieht mich und kreischt los.
»Hope! Du bist Zuhause!«
Ich lasse die Koffer los und reiße die Arme auseinander. Sie wirft sich gegen meinen Körper und wir hüpfen und kreischen um die Wette. »Ich hab dich vermisst.«
»Wir haben dich auch alle vermisst. Wir haben schon Pläne geschmiedet, nach London zu kommen, aber du kennst ja deine Mutter«, sagt sie seufzend und löst sich wieder von mir. Sie mustert mich aufmerksam. »Du bist alt geworden.«
»Wer hier wohl alt geworden ist? Schau dir mal die Fältchen in deinem Gesicht an. Langsam solltest du dir eine neue Uniform zulegen. Für ein Babydoll bist du viel zu erwachsen.« Ivy ist vierunddreißig und damit zehn Jahre älter als ich. Für mich war sie immer wie eine große Schwester. Sie schnappt sich meine Koffer und zerrt mich in das Haus. Noch bevor die Tür hinter uns ins Schloss fällt, lässt ihre hohe Stimme das Haus erzittern: »Mädels, Hope ist endlich zurück!«
»Scht!«, mache ich und werfe einen flüchtigen Blick auf die prunkvolle Wanduhr in rot und gold, die über der Tür zur Bar hängt. Es ist 17:07 Uhr. Das Destiny hat seit sieben Minuten geöffnet. »Sind keine Gäste da?«
»Doch, einer. Aber der ist fast immer da. Der wohnt schon hier.«
Ich folge ihr in die große Aula, die der Blickfang der unteren Etage ist. Die hohe Decke, von der ein großer metallener Leuchter mit 12 kerzenförmigen Lichtern hängt, wird von vier Säulen getragen. Von dem runden Saal gehen mehrere Türen ab, die in die gemütliche Bar, die verschiedenen Themenzimmer und Wellnessbereiche führen. Eine breite Treppe, deren Stufen von einem dunkelrotem Teppich umhüllt sind, führt in die obere Etage, den privaten Wohnbereich zu dem nur die Familie Zugang hat. Die Familie, das sind meine Mutter, die Mädchen, die hier leben und arbeiten, und ich. Ich – wenn sich nichts geändert hat. Denn wenn es nach meiner Mutter geht, würde sie mich am liebsten sehr weit weg von diesem Haus wissen. Aber ich bin hier aufgewachsen und ich liebe dieses Haus und all seine Bewohner. All das hier hat mir in den letzten Jahren gefehlt: das Kichern der Mädchen, die gemeinsamen Essen an der langen Tafel im Esszimmer, bevor das Etablissement jeden Abend um 17:00 Uhr seine Türen für die männlichen Clubmitglieder öffnet. Dieses Haus ist das wohl exklusivste Freudenhaus der Welt, denn nur Männer, die meine Mutter auf Herz und Nieren geprüft hat, haben hier Zugang. Das macht es für sehr viele Männer zum Geheimtipp und zum begehrtesten Club Schottlands. Aber nur die wenigsten schaffen es in Mutters Karteisysthem. Mutter hat ihre Gründe für dieses Vorgehen und die Mädchen sind ihr dankbar dafür. So wie ich auch.
Ivy hüpft vor mir die Stufen nach oben und verkündet immer wieder, dass ich zurück bin. Ich schüttle lachend den Kopf. Sie war schon immer verrückt und mädchenhaft. Sie hat das sechzehnjährige Mädchen in sich nie abgelegt. Eigentlich ist das gar nicht verwunderlich, denn so versucht sie die Zeit ihres Lebens für sich zu bewahren, in der alles noch sorglos für sie war. In der sie einfach nur ein normales Mädchen war. Als ich oben ankomme, laufen mir zwei weitere Mädchen entgegen. Sie begrüßen mich genauso stürmisch wie Ivy.
»Habt ihr mir noch Kaffee übrig gelassen?«, frage ich und lasse mich von ihnen in das geräumige Esszimmer ziehen. Liv verschlingt ihre Finger mit meinen und führt mich zum Büffet, das wie ich es gewohnt bin, noch immer gleich neben der Tür auf einem Tisch angerichtet ist. Obwohl es schon nach 5 ist, ist das hier für die Bewohner des Destiny das Mittagessen. Der Arbeitstag beginnt in der Villa um 17:00 Uhr und endet in den frühen Morgenstunden. Kaffee gibt es rund um die Uhr. Wahrscheinlich hat mich die ständige Verfügbarkeit von Kaffee zu einem Koffeinjunkie gemacht. An der Tafel in der Mitte des mit dunklen, schweren Möbeln eingerichteten Zimmers, sitzen nur noch zwei weitere Mädchen. Die meiste Zeit leben hier etwa zehn Mädchen, wahrscheinlich sind sie längst in ihren Zimmern und bereiten sich auf den heutigen Arbeitstag vor.
Mit hochgezogenen Augenbrauen erstarre ich in der Bewegung, als mir auffällt, warum Belle so hoch über dem Tisch aufragt, obwohl sie sitzt. Sie sitzt auf dem Schoß von jemandem. Und dieser Jemand beugt sich gerade um Belle herum und mustert mich unter zusammengekniffenen Lidern als wäre ich ein Stück Sahnetorte. Belle winkt mir feixend und rutscht auf dem Schoß des Mannes herum, dessen Finger der einen Hand flach auf ihrem Bauch liegen. Die andere Hand liegt zwischen Belles Schenkeln und war wohl gerade auf dem Weg in ihren Hafen, bevor ich reingekommen bin.
»Seit wann dürfen Männer hier oben sein?«, flüstere ich Liv und Ivy zu. Ivy schenkt mir Kaffee ein und hält mir die Tasse hin. »Das ist Logan Davonport. Deine Mutter lässt ihm so Einiges durchgehen. Unter anderem darf er sich frei im ganzen Haus bewegen, wann immer er will.«
Erstaunt sehe ich Ivy an. »Was? Ist das dein Ernst?«
Sie nickt und grinst breit. »Wenn du wüsstest, was der Mann für ein Feuer hat.«
Liv kichert leise und beugt sich näher zu mir. »Das wird sie nie rausfinden, dafür sorgt Adrienne schon. Aber so wie Logan dich ansieht, weiß er nichts davon. Der Mann ist wirklich unersättlich. Erst vorhin hat er Belle, Emma und Adrienne dazu gebracht, das ganze Haus zusammen zu schreien.«
Ich werfe Logan Davenport einen heimlichen Seitenblick zu. Leider starrt der mich noch immer äußerst interessiert an, so dass der Blick ihm nicht entgeht. Auf seine vollen Lippen tritt ein breites Grinsen. Der Mann ist unfassbar attraktiv. Nicht auf die hübsche Weise, sondern auf die sexy, wilde Weise. Die, die mich dazu bringt, über meine Lippen zu lecken. Ich habe nämlich eine Schwäche für ältere Männer. Nicht alte Männer. Nur die, die etwa zehn Jahre älter sind als ich und schon deutlich mehr Erfahrung mit sich herumtragen, als die Jungs in meinem Alter. Und an diesem Prachtexemplar ist wirklich alles, so wie ich es mir in meinem Träumen gerne zurechtbastle. Belle rutscht gerade von seinem Schoß und mir stockt der Atem bei seinem Anblick. Der Mann sitzt nur in eine enge Jeans gekleidet am Tisch. Das dunkle, nachtschwarze Haar fällt ihm in dicken Wellen wild in sein Gesicht. Es ist kinnlang und verleiht ihm etwas piratenhaftes. Sein Unterkiefer ist sehr scharf geschnitten und sein Kinn ist breit und sehr männlich. So männlich wie auch sein durchtrainierter, muskelbepackter Körper.
»Wenn deine Mutter dich dabei erwischt, wie du ihn ansiehst, wird sie dich an deinen Haaren hier rauszerren und dir den Hintern versohlen.«
Ich löse meinen Blick von Mr Davenport und verziehe schnippisch das Gesicht. »Adrienne muss lernen, dass ich jetzt erwachsen bin. Außerdem hat sie doch auch ihren Spaß mit ihm gehabt.« Meine Mutter steht schon seit Jahren nicht mehr für die Freier zur Verfügung. Seit sie die Vierzig überschritten hat fühlt sie sich zu alt für diesen Beruf. Sie überlässt den Mädchen die Aufgabe, den Männern ihre Wünsche zu erfüllen. Deswegen erstaunt es mich um so mehr, dass sie für Davonport eine Ausnahme gemacht hat. Aber selbst ich werde bei dem heißblütigen Versprechen in den Augen dieses Mannes ganz kribbelig und kann mich kaum zurückhalten. Er sieht mich noch immer an und ich kann nur daran denken, mich wie eine rollige Katze an ihm zu schmiegen.
»Hatte sie, aber du wirst nicht deinen Spaß mit ihm haben, das ist unser Job«, wirft Ivy streng ein.
»Das hatte ich auch gar nicht vor. Aber Frau wird doch wohl mal einen Blick riskieren dürfen, schließlich sieht sie so ein Prachtexemplar nicht jeden Tag«, flüstere ich.
»Mädchen, 17:00 Uhr ist schon seit fünfzehn Minuten vorbei«, gellt die dunkle, raue Stimme meiner Mutter durch das Haus.
»Die Arbeit ruft.« Ivy drückt mir einen Kuss auf die Wange und flattert hüpfend aus dem Esszimmer.
Liv stellt ihre Tasse Kaffee auf den Büffettisch und neigt sich mir entgegen. »Jemand sollte ihm sagen, dass du nicht zum Angebot gehörst. Ich glaube, er denkt, du wärst Frischfleisch.«
»Oder wir sagen gar nichts und lassen der lieben Hope etwas Spaß, bevor der Hausdrachen ihr wieder alles verdirbt«, sage ich und schiebe Liv in Richtung Tür.
Ich schenke mir noch einmal Kaffee nach und werfe einen Blick über die Schulter zurück, wo Logan Davenport sich geschmeidig wie ein Tiger von seinem Platz erhebt und auf mich zukommt.
»Wir beide hatten noch nicht das Vergnügen«, sagt er mit rauer, leiser Stimme, die wie Samt über meine Haut streicht. Ich wende mich zu ihm um und lehne mich lässig mit meinem Hintern gegen den Tisch.
»Hast du Adrienne nicht gehört? Die Schicht geht los. Bestimmt wartet schon ein Kunde auf dich. So ein hübscher Junge wie du hat doch sicherlich eine lange Vorbestellliste.«
Er bleibt etwa zwei Schritte vor mir stehen und legt mit gerunzelter Stirn den Kopf schief. »Es gibt keine Liste mit meinem Namen. Aber deine ist bestimmt ziemlich lang. Gut, dass ich hier ein paar Freiheiten genieße.«
»Da wird leider nichts draus, das Personal darf sich nicht miteinander vergnügen«, sage ich und sehe den Mann ernst an. »Das dürfen wir nur, wenn es ein Job ist. Und da deine Kundschaft wohl kaum wegen der Frauen hierher kommt, werden wir auf ein gemeinsames Spiel verzichten müssen.« Ich lege den Kopf schief, starre in seine faszinierend hellen, silberfarbenen Augen, dann lasse ich provokativ meinen Blick an seinem Körper nach unten gleiten und beiße mir dabei genussvoll auf die Unterlippe. »Eigentlich Schade. Aber Regeln sind nun einmal Regeln.«
Logan beugt sich leicht nach vorne, seine Augen ruhen auf meinem Gesicht. »Vielleicht hast du mich nicht verstanden, aber ich bin Gast hier.«
»Oh«, keuche ich gespielt entrüstet. »Gäste dürfen doch nicht hier hoch. Dass du doch hier bist und – nun ja, dieser leicht tuntige Touch, den du mit dir herumträgst … Also, ich war sicher, dass du schwul bist.«
Er blinzelt und weicht mit weit aufgerissenen Augen einen Schritt von mir zurück. »Also, mir hat man schon viel nachgesagt, aber noch nie, das ich tuntig rüberkommen würde.«
Ich zucke lässig mit den Schultern und stelle meine Tasse neben mich auf dem Tisch ab.
»Da wir das jetzt also geklärt haben …«, knurrt Logan heiser und kommt wieder näher. Seine Finger streichen langsam an meinem Arm nach oben und lassen kleine Flammen auf meiner nackten Haut tänzeln. Ich halte den Atem an. Ich kenne diesen Mann kaum fünf Minuten und schon ruft eine eigentlich harmlose Berührung solche Reaktionen in mir hervor. Mein Herz klopft heftig und ich bin unfähig, meinen Blick von seinem zu lösen. Ich habe noch nie zuvor einen Mann getroffen, der so viel Arroganz, Macht und Selbstsicherheit ausstrahlt wie dieser. Und obwohl keine davon eine lobenswerte Eigenschaft ist, ziehen sie alle mich total an. »Auf was hast du Lust?«
»Hope!«, knurrt eine andere, nicht so erotische, dafür aber mächtig wütende Stimme. Erschrocken fahre ich zusammen und sehe zur Tür in deren Rahmen meine Mutter mit vor der Brust verschränkten Armen steht und mich mit Blicken niederstreckt.
»Ich denke, ich hab wohl anderes zu tun«, flüstere ich Logan Davonport zu und schiebe mich mit einer Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung an ihm vorbei. Meine Mutter schlingt ihre Finger um meinen Oberarm und zieht mich aus dem Esszimmer. Sie ist so wütend, dass ihre schmalen blonden Brauen sich fast über der Nasenwurzel treffen und sich tiefe Falten in ihr Gesicht graben.
»Ethan, würdest du bitte Hopes Sachen wieder in ihr Auto bringen?«
Ethan, der anscheinend der neue Bodyguard im Haus ist, nickt, mustert mich kurz und fährt sich dann über das kurze hellbraune Stoppelhaar.
»Du musst sie nicht ins Auto bringen, aber vielleicht bist du so nett und bringst sie in mein Zimmer? Meins ist das ganz am Ende des Ganges«, sage ich und lächle den breitschultrigen Mann an, der kaum größer ist als ich. Und für einen Mann ist das nicht wirklich groß, denn ich bringe es nur gerade so auf 170 Zentimeter, was vielleicht für eine Frau okay ist, aber für einen Mann? Auf mich wirkt er zumindest nicht halb so beeindruckend, wie Mr Davonport, der gerade im Flur hinter uns auftaucht und mir ein amüsiertes Zwinkern zuwirft.
»Bemüh dich nicht, Ethan. Ich kann das auch machen«, sagt er und ist schon auf halbem Weg zur Treppe.
»Danke, Boss«, meint Ethan und das klingt kein bisschen unterwürfig, sondern eher freundschaftlich.
»In mein Büro«, befiehlt meine Mutter jetzt und zieht wieder an meinem Arm.
»Ich freue mich auch, dich wiederzusehen«, sage ich zynisch, folge ihr aber.
Meine Mutter blickt kühl über ihre Schulter zurück und ihre dunkelgrünen Augen funkeln mich an. Ich weiß, dass dieser Blick nichts Gutes bedeutet.
Kaum hat sie mich in ihr Büro gezogen, wirft sie hinter uns auch schon die schwere Holztür zu. »Ich habe Danas Wohnung für dich herrichten lassen, du kannst sofort einziehen.« Sie geht um den schlichten weißen Schreibtisch herum, der so vor den beiden Rundbogenfenstern steht, dass Mutter hinaussehen kann. Die Bewegung der Bäume im Wind zu beobachten, hat eine beruhigende Wirkung auf sie. Nur wenn sie sich wegen mir aufregt, dann hat das nie geholfen. Ich habe immer verstanden, dass sie sich nur um mich sorgt, aber das muss sie jetzt nicht mehr tun. Ich bin erwachsen. Müde lasse ich mich auf die samtrote Chaiselongue sinken, auf der ich als Kind immer geschlafen habe, während Mutter ihren Bürokram erledigt hat und die Mädchen in ihren Zimmern das nachgeholt haben, was sie während der Nächte nicht tun konnten: schlafen. Tagsüber war es immer sehr ruhig in diesem riesigen Haus gewesen. Wahrscheinlich hat sich bis heute nichts daran geändert.
Als Kind hatte ich keine Ahnung, von dem, was in der unteren Etage passierte. Ich durfte nie dort hin. Alles, was ich wusste, war, dass jeden Abend einige Autos vor dem Haus parkten, aus denen Männer stiegen und dann hörte ich Stimmen und Gelächter von unten bis hoch in mein Zimmer, wo Tante Dana – Mutters beste Freundin aus Kindertagen – auf mich aufpasste, mir vorlas und mich ins Bett brachte. »Ich will nicht in Danas Wohnung, das weißt du. Ich will hier wohnen. Das habe ich immer und es war nie ein Problem.«
»Du hast auch nie gegen die Regeln verstoßen«, sagt sie trocken und sieht mich mit der Gewissheit an, dass ich mich ihr nicht widersetzen kann. Doch das werde ich. Mir ist egal, wie sehr sie mich hier raus haben will. Dies ist mein Zuhause. Sie hat ihren Willen bekommen, als sie mich auf eine Universität in London geschickt hat. Dieses Mal aber werde ich nicht nachgeben.
»Ich habe auch heute nicht gegen die Regeln verstoßen.«
»Du hast mit einem Freier geflirtet«, wirft sie mir vor.
Ich schnaube, reibe mir mit den Fingerspitzen die Schläfen und sehe sie trotzig an. »Ich habe nicht geflirtet, er hat geflirtet. Und das war nicht mein Fehler, sondern deiner. Du hast ihm erlaubt, sich hier oben aufzuhalten.«
Meine Mutter blinzelt nervös und wischt mit ihren Händen über das mitternachtsblaue lange Kleid, das ihr Kompromiss an die Männer ist, die mit bestimmten Erwartungen hierher kommen. Viel lieber würde sie in einem bis zum Hals zugeknöpften Anzug herumlaufen. Der würde aber nicht zu dem passen, für das das Destiny steht. »Du hast mit ihm geschlafen, obwohl du immer behauptest, du stehst für die Männer nicht mehr zur Verfügung«, werfe ich ein. Nicht, weil ich verärgert wäre. Aber ich bin neugierig, warum sie gerade für Logan eine Ausnahme gemacht hat. Was ist so besonders an diesem Mann, dass meine Mutter ihm nicht widerstehen kann?
Adrienne schüttelt den Kopf und weicht meinem Blick aus. »Das geht dich nichts an. Du wirst ihm aus dem Weg gehen.«
Genervt verdrehe ich die Augen. »Ich hatte nicht vor, mit ihm zu schlafen. Und ich werde hier bleiben. Wenn du nicht willst, dass er mit mir flirtet, dann sorge dafür, dass er unten bleibt.«
»Das geht nicht. Ihm gehört die Security Firma.«
Ich reiße erstaunt die Augen auf. »Dann ist er gar nicht wirklich ein Freier? Seit wann lässt du zu, dass die Mädchen mit den Bodyguards schlafen.«
Sie lässt die Schultern sinken und spielt nervös mit einem Stift. »Er ist auch Clubmitglied. Wir hatten ein paar Probleme in den letzten Monaten, also hat er angeboten, seine Männer hier zu postieren.«
Kopfschüttelnd stehe ich auf. Ich bin erschöpft und Müde von der Fahrt. Außerdem verstehe ich jetzt noch weniger, wie es dazu gekommen ist, dass meine Mutter mit einem Geschäftspartner und Kunden geschlafen hat. Vielleicht verstehe ich es ein bisschen, wenn ich daran denke, wie verstörend und anziehend zugleich dieser Mann selbst auf mich gewirkt hat. Aber Adrienne hat recht, er ist und bleibt ein Kunde und ist daher nicht von Interesse für mich. »Ich halte mich von ihm fern, aber ich bleibe.«

Desire Night Express

 

Der Desire Night Express befindet sich aktuell auf Rang 8 der Kindle-Charts. Dafür möchte ich mich bei allen Lesern bedanken, auch für die vielen Mails, die mich jeden Tag erreichen.
Das Bild im Artikel ist in hoher Auflösung, ihr könnt es Euch also gerne als Hintergrund auf Eure Desktops laden.

Liebe Grüße Elena

Mein kleiner Messebericht

(Klein, damit ihr euch nicht langweilt und ich mich dann gleich wieder an den Sexexpress setzen kann, weil ihr alle den so unbedingt haben wollt.)

Irgendjemand hatte vorgeschlagen, ich könnte doch Schreiben auf Bestellung machen. Wer war das noch gleich? Ich hab so viele von euch kennengelernt, dass ich ganz durcheinander bin. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ziemlich vergesslich bin? Ja, ich hab ein Gedächtnis wie ein Sieb und das wird irgendwie immer schlimmer.

Erst einmal danke an alle, die da waren! Ihr habt mich wirklich überrascht. Ich hatte mit ein paar Leuten gerechnet, die immer mal wieder Kleckerweise vorbeischauen, aber dass die Hälfte meiner Facebook-Freundschaftsliste unseren kleinen Stand stürmt, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ihr seid so toll! Das muss ich euch jetzt mal sagen. So toll, das zweimal Leute von der Messe da waren und gefragt haben, was bei uns los sei. Und am Sonntag kam dann auch noch der Börsenverein des Buchhandels vorbei, weil die nicht glauben konnten, dass ein Verlag mit so vielen Lesern nicht bei ihnen ist. Ihr seht also, ihr habt die Halle gerockt.

Am Mittwoch, als wir den Stand aufgebaut haben, dachten wir noch, wir hätten ja ganz schön Platz. Richtig gemütlich mit unseren roten Kissen, da können sich ja Interessierte hinsetzen und gemütlich mal in ein Buch reinlesen. Am Donnerstag saßen da schon die ersten Autoren zum Plausch und Kaffee mit uns. Ab Freitag hatten wir dann fast ununterbrochen Gäste zum Plausch und unser kleines Standkaffee war eigentlich immer voll belegt. Es waren so viele Autoren und Leser da, die auch die ganzen Tage über immer wieder bei uns gelandet sind, nachdem sie ihre Runden gedreht haben über die Messe: Melly, Emma S. Rose, Lynn Summers, Thabita Waters … Nur um ein paar zu nennen.

Am Freitag hatten wir dann schon Einiges mehr zu tun als Kaffee zu trinken und den Unmut des DKZ gegenüber auf uns zu ziehen. Und als ich Samstag Morgen auf Facebook die vielen Einträge gesehen habe in denen stand: Unterwegs zur Messe. Noch schnell ein Zugticket gekauft etc. Da hab ich noch immer nicht mit dem gerechnet was dann kam.

Damit die, die nicht da waren, es sich ein bisschen vorstellen können: Am Vormittag hat Sebastian Fitzek direkt neben uns gelesen und danach signiert. Da hat sich natürlich eine lange Schlange gebildet. Und ich war ganz neidisch und hab zu meinen Latos-Kollegen noch gesagt: Wenn wir es auch mal schaffen, so viele Leser anzuziehen, dann können wir echt stolz auf uns sein. Nur zwei Stunden später, stand bei uns nicht nur eine Schlange. Nein, bei uns war es so voll, dass die Gänge verstopft waren. Das hat mich total sprachlos gemacht. Vielen Dank dafür! Aber ich bin sicher, bis wir kleinen Autoren es wirklich mit einem Fitzek aufnehmen können, wird noch viel Zeit vergehen, müssen wir noch viele Bücher schreiben und noch viele Jahre an unserem Handwerk schnitzen.

Ach ja, ich hab viele von euch nicht erkannt! Das tut mir echt leid, aber ich gelobe Besserung.

Jetzt noch ein paar Bilder.

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Tag 1, die Regale hinter uns sind noch leer. Und wir sind noch so was von ahnungslos!

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Fertig! Und sehr gemütlich geworden. Seht ihr die tollen Drachen? Die haben uns sehr viel Aufmerksamkeit eingebracht, sind tausende Male fotografiert worden, von Fernsehkameras gefilmt worden und unendlich oft gewünscht worden. Jetzt machen sie Thabitas kleinen Drachenfan glücklich.

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Blick aus unserem Hotelzimmer, 26 Etagen über Leipzig

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Die ersten Kaffeegäste: Anya Omah, Thabita Waters, Drucie Anne Taylor. Auch auf dem Bild: Sky Landis, die Verlagschefin und Marina, die Verlagshostess

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Ich bei den Kollegen vom APP Verlag

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Und bei den Lieblingsautoren

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Noch mehr Kaffeegäste: Melly, Lynn Summers und Vivien Johnson und unten Emma S. Rose mit Drucie

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So sah es Samstag bei uns aus. Hier hatten sich dir Reihen schon etwas gelichtet, aber ich kam vorher einfach nicht dazu ein Foto zu machen.

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Unser gemeinsames Abendessen mit Autoren und Lesern am Samstagabend

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Nach dem Frühschoppen am Sonntag bei Poppy haben wir uns dank Poppys Cupcakes erstmal Zucker gegönnt. Das war dringend nötig. Danke Poppy!

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Und so sah der Stand Sonntag aus. Wir haben mit Flyern auffüllen müssen, um überhaupt noch was im Regal stehen zu haben.

Ihr seht, wir hatten ein paar richtig schöne Tage und ein bisschen haben wir uns gefühlt wie Wild Novel auf einer Tournee.

Danke an alle, die wir kennenlernen durften, die wir schon durch Facebook kannten und endlich mal sehen durften und danke für die schönste Zeit überhaupt!

Ein schneller Weg in die Kriminalität

Ein eBook ist ein Buch.

Viele Nutzer von eBooks scheinen das zu übersehen. Sie glauben, dass ein eBook weniger wert ist als ein Buch, dass es aus unerfindlichen Gründen, gar kein Buch ist. Gleichzeitig denken sie aber, wenn sie ein Buch der besten Freundin, der Mutter, der Tante, dem ganzen Dorf ausleihen können, dann haben sie dazu auch das Recht mit einem eBook, schließlich hätten sie das eBook ja gekauft.

Es wird euch überraschen, ein eBook ist ein Buch! Bevor ein Buch überhaupt gedruckt werden kann, schreibt der Autor es auf seinem PC. Er schreibt es in einem Schreibprogramm wie Word, lässt es lektorieren, lässt ein Cover anfertigen und wandelt die Datei am Ende in eine eBook-Datei um. Zu diesem Zeitpunkt ist das Buch schon ein Buch. Der Autor hatte eine Idee, hat sich Gedanken zu dieser Idee gemacht, recherchiert, sich einen Plot einfallen lassen, Figuren entworfen, sich zu jeder einzelnen Szene Notizen gemacht und die Geschichte reifen lassen. Dann hat er sich tagelang, wochenlang oder sogar monatelang hingesetzt und das Buch in eben dieser Datei entstehen lassen.
Genau diese Datei wird dann kopiert und in eine neue Datei umgewandelt, die die meisten Indie-Autoren dann bei Create Space hochladen (ein Tochterunternehmen von Amazon). Create Space wiederum lädt diese Datei in das Programm einer Digitaldruckmaschine und diese Maschine druckt die Datei aus und macht ein Print-Buch daraus. Der Aufwand, das Buch zu schreiben ist also deutlich größer als der, das Buch zu drucken. Ohne diese Datei gäbe es den Print gar nicht. Warum also glaubt ihr, dass ein eBook weniger wert ist als sein Bruder Taschenbuch? In beiden Versionen stehen die selben Worte, steckt die selbe Arbeit eines Autors, der seine Zeit und sein Herz hineingesteckt hat.

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Solche Worte verletzen, schockieren und lassen uns sprachlos zurück. So geht man mit unserer Arbeit um? Das denkt man über die Zeit, die wir in Geschichten stecken, statt in unsere Familien? ”Eingetippte Wörter“ Was würde die Dame wohl davon halten, wenn wir ihr zukünftig wirklich nur noch „eingetippte Wörter“, zusammenhangloses Bla Bla servieren würden. Davon kann sie 400 Seiten haben, die jeder von uns in wenigen Minuten erstellt hat. (Danke an dieser Stelle für das Outing, unsere Anwälte werden sich damit befassen.)
Gedankengut ist natürlich eine Erfindung der Menschen. Aber keine überflüssige. Früher wurden Autoren wie Jane Austen, die Bronte-Schwestern, Hemmingway und Shakespeare noch als Künstler angesehen. Heute sind wir diejenigen, die nichts weiter tun als „eingetippte Wörter“ servieren. Eine traurige Entwicklung für eine Zeit- und Nervenintensive Arbeit. Aber davon lasse ich mich nicht abhalten, weiter Geschichte zu schreiben und zu hoffen, dass es noch Leser gibt, die den eigentlichen Wert hinter diesen Geschichten verstehen.

Diesen Wert hat auch der Gesetzgeber verstanden, weswegen es eine Straftat ist, eBooks zu kopieren. Auch das wird für viele neu sein: Man kann eBooks nicht verleihen. Ein eBook verleihen heißt, es zu kopieren. Außer man gibt seinen eBookreader an die Freundin weiter oder nutzt die Amazon/Kindle-interne Verleihfunktion. Bei dieser Funktion kann man einer Person sein eBook leihen. Für die Leihzeit verschwindet das eBook auf dem eigenen Reader, so wie es auch bei einem verliehenen Taschenbuch der Fall wäre, das man dann ja auch nicht mehr im eigenen Regal stehen hätte.

Der Kauf eines eBooks ermächtigt nicht zum Vervielfältigen! Ein eBook-Käufer erwirbt nur die Leselizenz.
Wie meine Kollegin Laura Sommer kürzlich sagte: Wenn ich Word oder Windows oder Photoshop kaufe, dann auch nur für einen, maximal 5 PC (ja nach Lizenzbestimmung). Ihr könnt diese Programme auch nicht einfach mal wild kopieren und untereinander austauschen. Und niemand beschwert sich darüber. Warum dann bei eBooks, die nur einen Bruchteil von dem kosten, was z.B. Windows kostet?

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Stellt euch die Kettenreaktion vor, die ein einziges eBook auslöst. Ihr kopiert es für die Tante, die Tante für den Bridgeclub, der Bridgeclub …

Am Ende stehen 10.000 eBook-Kopien, die nicht bezahlt wurden, liegen wie im aktuellen Fall in irgendwelchen Dropboxen und werden von tausenden Lesern heruntergeladen und weiterverbreitet. Und was ist mit dem Autor? Wo bleibt er bei diesem Spiel? Er sitzt Zuhause am PC und schreibt für euch die nächste Geschichte, auf die ihr schon mit großer Ungeduld wartet, weil er doch euer Lieblingsautor ist. Die Sache hat nur einen Haken, wenn euer Lieblingsautor kein Geld mehr verdient, weil immer mehr seiner Leser seine Bücher stehlen, dann wird er bald in einen fest Bezahlten Job gehen müssen und kann euch nicht mehr mit Geschichten versorgen, weil es nun einmal Zeit beansprucht, ein Buch zu schreiben. Zeit, die er in einem festen Arbeitsverhältnis nicht mehr haben wird.

Das Urheberrecht ist also keine sinnlose Erfindung, sondern eine, die den Urheber – den Autor – schützt. Davor, dass er bestohlen wird, dass andere behaupte, dieses Werk hätten sie selbst geschrieben, davor, dass andere sich an seiner Arbeit bereichern.

Deswegen ist es richtig und unumgänglich, das Raubkopierer bestraft werden. Hart!
Und überall auf der Welt wird diese Strafe jetzt durchgesetzt, auch bei eBook-Piraterie.

Es ist also nicht okay, wenn ihr eure eBooks per Dropbox oder auf anderem Weg austauscht. Ihr verleiht sie nicht, ihr vervielfältigt sie. Wenn ihr ein Taschenbuch an 5 Freunde verliehen habt, dann hat dieses sich abgenutzt, sieht nicht mehr so schön neu aus. Ein eBook nutzt sich nicht ab. Es bleibt immer gleich.

Der Schaden, der uns Autoren durch das Verteilen unserer Werke enttsteht ist nicht geringfügig. Die Verkaufszahlen von einigen belegen das. Das war in den letzten Monaten deutlich messbar, besonders durch ausbleibende Käufe an den ersten Tagen nach Erscheinen eines Buches. Noch vor wenigen Monaten lagen die Käufe durch unsere Facbook-Freunde an den ersten Tagen um einiges höher als es jetzt der Fall ist. Kein Wunder, immerhin war Pretty Lies – Holly und Tyler schon an Tag 2 nach Erscheinen in diesen Tauschbörsen.

Ich war darüber ziemlich enttäuscht, immerhin habe ich gerade in dieses Buch sehr viel Hineininvestiert. Ich rede jetzt nicht vom Finanziellen, sondern emotionalen. Das Thema dieses Buches war hart und schwierig und hat mich oft an meine Grenzen gebracht. Vielleicht sind es für einige nur ”getippte Wörter“. Für mich stecken in beiden Pretty-Büchern persönliche Erinnerungen und Schmerz.

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Zusammenfassend:

Die Vervielfältigung von eBooks ist eine Straftat und wird mit Geld- und Haftstrafen geahndet.

EBooks kann man nicht verleihen, weil sie kein physikalisches Produkt sind. Sie sind eine Software wie Windows und diese kann man bekanntlich auch nicht verleihen.

EBooks unterliegen dem Urheberrecht, weil sie mehr als nur „getippte Worte“ sind. Sie sind Arbeit, Herzblut, Zeit und nicht jeder kann Bücher schreiben. Das Schreiben ist ein langwieriger Prozess, der erlernt werden muss/sollte.

Irgendwann fliegt auch die unscheinbarste Tauschgruppe auf. Selbst die Großen sind davor nicht sicher, wie die letzten Wochen gezeigt haben.

Der Diebstahl eines eBooks wird also genauso bestraft wie der Diebstahl eines Brötchens, weil es eine Straftat ist.

Abschließend bleibt nur noch zu sagen: Wir Indies kommen euch Lesern mit besonders niedrigen Preisen entgegen. Um diese Preise halten zu können, müsst ihr uns entgegen kommen: Bezahlt für unsere Geschichten!

Warum eine ISBN allein nicht der Weg in den Buchhandel ist

 

 

Immer wieder taucht unter Autoren eine Vermutung auf, die nicht richtig ist. Ich bin jetzt schon einige Jahre als Autorin unterwegs und in dieser Zeit habe ich viele Dinge lernen müssen. Zum Beispiel, dass eine ISBN noch kein Garant dafür ist, dass ein Buch in sämtlichen Buchhandlungen und Onlineshops erhältlich ist. Leider laufen immer wieder Autoren diesem Irrglauben auf. Erst kürzlich ist mir zugetragen worden, dass ePubli mit diesem Irrglauben arbeitet und ihn ausnutzt. Aus diesem Grund sehe ich mich gezwungen, diesen Artikel zu schreiben.

Eine ISBN ist sozusagen die ID eines Buches. Sie besteht aus 13 Zeichen, die ersten 3 Zahlen 978 oder 979 sind das Präfix. Danach folgt eine Einzelziffer. In Deutschland meist die 3, die gibt wieder, dass es sich um ein deutschsprachiges Buch handelt. Darauf folgen 5 Zahlen, die ergeben die Kennziffer für den Verlag. Darauf folgt die Titelziffer und dann die Prüfziffer.

Mit dieser ISBN kann man ein Buch bei VLB anmelden. Dem sogenannten Verzeichnis aller lieferbaren Bücher. Amazon z.B. holt sich in kurzen Abständen seine Infos über VLB. Jedes Buch, das bei VLB gelistet wurde, kann somit auch bei Amazon gefunden werden. Ob das Buch dann aber auch direkt über Amazon lieferbar ist oder nicht, kommt darauf an, ob der Verleger einen Vertrag mit Amazon hat. Viele kleine Verlage haben diesen Vertrag nicht und umgehen so die Zahlung von Rabatten an Amazon. ePubli hält das ähnlich. Ein von ePubli verlegtes Taschenbuch kann man nicht direkt über Amazon beziehen, sondern nur über den Amazon Marketplace, wo zusätzlich zum eigentlichen Taschenbuchpreis 3 € Versand fällig werden.

Amazon bezieht seine Infos also über VLB. Viele andere Buchhändler und Onlineshops tun dies nicht. Sie sind an Barsortimenter angeschlossen. Die drei größten Barsortimenter in Deutschland sind: KNV, Libri und Umbreit. Barsortimenter arbeiten eigentlich fast ausschließlich mit Verlagen zusammen. Um von ihnen gelistet zu werden, braucht das Buch nicht nur eine ISBN, der Verlag braucht auch einen Vertrag mit diesen Barsortimentern. Zusätzlich muss der Verlag bestimmte Bedingungen erfüllen, um überhaupt so einen Vertrag zu bekommen. Da könnte z.B. die Vorraussetzung sein, eine bestimmte Mindestmenge an Veröffentlichungen überhaupt oder aber auch jährlich.

Wenn jetzt ein Buch also z.B. nur bei KNV gelistet wurde, ist es in vielen Shops oder auch örtlichen Buchhandlungen bestellbar. Aber nicht in allen! Warum das so ist? Weil z.B. Weltbild in seinen Shops nur mit dem Barsortiment Libri zusammenarbeitet. Je nachdem, mit welchem der Barsortimenter ein Händler arbeitet, ist ein Buch für ihn verfügbar oder nicht. Kleinere Buchhändler schauen dabei auch mal nur bei VLB und bestellen auch mal direkt beim Verlag. Da das aber teilweise sehr aufwendig ist, machen das nur wenige. Wer also sicherstellen will, dass sein Buch überall erhältlich ist, sollte schauen, dass sein Buch möglichst in allen drei großen Sortimenten gelistet wird.

Die Bücher von ePubli haben zwar eine ISBN, sind aber nirgends gelistet, daher auch in den Shops nicht erhältlich. Was zum nächsten Problem führt: Woher soll ein Leser wissen, dass es das Taschenbuch gibt, wenn es weder bei Libri, noch bei Thalia noch sonst wo auf der Shopseite zu finden ist? Einzige Möglichkeit, der Autor selbst bewirbt sein Buch und gibt die ISBN weiter. Nur wird der interessierte Leser mit der ISBN nichts anfangen können, denn wie oben schon beschrieben, wenn er jetzt mit dieser ISBN zu z.B. Thalia geht und dort das Buch bestellen will, wird Thalia ihm sagen, dass die ISBN unbekannt ist, da Thalia ja mit der Software von Libri oder Umbreit oder KNV zusammenarbeitet, wo aber eben dieses Buch nicht gelistet ist.

Wie ihr seht, nutzt die schönste ISBN gar nichts.

Mein Tipp: Bevor ihr euch für einen Druckdienstleister, einen Kleinverlag oder eine andere Art der Vervielfältigung für euer Taschenbuch entscheidet, schaut nach, ob andere Bücher des Verlages/Anbieters über Seiten wie buch.de, thalia.de, weltbild.de etc. zu bekommen sind. Ist das nicht der Fall, habt ihr größere Verkaufschancen wenn ihr direkt über Create Space geht, da Amazon in dem Fall zumindest Taschenbuch und eBook miteinander verknüpft und das die Sichtbarkeit deutlich erhöht.

Jetzt noch ein paar weitere Tipps:

Viele Autoren warten darauf, dass der große Traumverlag bei ihnen anklopft. Die Chance, dass das passiert ist sehr gering. Die meisten dieser Autoren gehen davon aus, dass ein Vertrag mit einem großen Verlag automatisch bedeutet, dass ihre Bücher dann in den Regalen von Händlern liegen. Das stimmt nicht. Würden die Händler alle Bücher von allen Autoren von großen Verlagen auslegen, dann bräuchten sie ganze Hochhäuser. Es werden immer nur Bücher ausgelegt, die von den großen Verlagen stark beworben werden. Was viele nicht wissen, so Tische wie bei Thalia das „Buch des Monats“ kosten Geld. Dafür zahlen die großen Verlage bis zu 5stellige Summen. So viel Geld nehmen die Verlage nicht für jeden Autor in die Hand. Ein Vertrag mit einem Großen sichert euch also noch lange nicht den Weg in die Händlerregale. Hinzu kommt, dass die Großen nur selten nur das Taschenbuch unter Vertrag nehmen. Sie wollen dann gerne auch die Rechte für Auslandslizenzen, eBooks etc. Und das nicht nur für 5 Jahre, wie oft bei Kleinverlagen, sondern für die Zeit des Urheberrechts, was bedeutet: euer Leben lang bis 70 Jahre nach eurem Tod. Das wiederum bedeutet: So lange ihr lebt entscheidet nicht mehr ihr, was mit eurem Buch passiert, sondern der Verlag. Er kann das Buch veröffentlichen oder auch nicht, wenn es gerade eben doch nicht passt (alles schon vorgekommen, dass Verlage sich zum Zeitpunkt, wo ein Buch erscheinen sollte, dann doch dagegen entschieden haben, weil das Genre gerade nicht gefragt war). Oder sie bringen nur eine Auflage, die sich nicht zufriedenstellend verkauft und danach fassen sie das Buch nicht mehr an. Oder aber nach 20 Jahren wird der Titel noch mal ausgegraben, weil das Genre da gerade wieder läuft … Die Möglichkeiten sind da unendlich.

Auch bei einem großen Verlag sollte also genau abgewogen werden, ob man einen Vertrag eingehen möchte oder nicht. Hat man erstmal unterschrieben, sind die Rechte für immer weg und als Selfpublisher sind wir alle deutlich mehr Freiheit gewohnt, als es bei den Großen möglich ist.